29. Juli 2019 11:29 Uhr

Die neue Serie auf Uro-Tube: Fragen Sie den Experten!

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Vielleicht ein alltäglicher Fall oder ein komplexer: Sie haben noch offene Fragen und wollen von einem Spezialisten mehr zu diesem Thema wissen?

Schicken Sie uns einen kurzen Fallbericht an haas(at)uro-tube.de und wir veröffentlichen den Fall und die Antwort unseres DGU-Experten. Bitte machen Sie mit Ihren Fällen diese Serie lebendig!


Unser heutiger Fall:

Bei einem 19jährigen Mann wird bei einer symptomatischen, ausgeprägten Metastasierung (cN2, cM1b, S2) als Primärtumor ein kleines Embryonalzellkarzinom des Hodens gefunden, das trotz gleichzeitiger Einblutung einen Maximaldurchmesser von knapp 2 cm hatte. Der Mann war Monate zuvor wegen einer Spermatozele bei einer urologischen Untersuchung, die einen unauffälligen Tast- und Ultraschallbefund der Hodens und einen unauffälligen Ultraschallbefund des Harntraktes ohne z.B. Hydronephrose ergab.

  • Wie groß ist der Anteil solcher Hodentumoren, die nicht aufgrund des Primärtumors, sondern erst aufgrund der Metastasierung entdeckt werden?
  • Hätte ein solcher Tumor bei unauffälligem klinischen und Ultraschallbefund bei einer Untersuchung wegen einer nicht-operationsbedürftigen Spermatozele erkannt werden können, bei der es z.B. keinen Anlass zur Bestimmung der Hodentumormarker gab?

Die Antwort von Frau Priv.Doz. Dr. Julia Heinzelbecker,  Urologische Klinik, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar:

  • „Primär extragonadale Keimzelltumoren des Hodens machen etwa 5 % aller Keimzelltumoren des Mannes aus. Die Ätiologie der extragonadalen Keimzelltumoren ist nicht vollständig geklärt. Als weitgehend gesichert für retroperitoneale extragonadale Keimzelltumoren gilt eine Verschleppung von gonadalen Zellen im Rahmen der Embryogenese. Die Differentialdiagnose zu einem ausgebrannten Hodentumor kann schwierig sein. Die Diagnostik testikulärer Keimzelltumoren in weit fortgeschrittenen bereits symptomatischen Stadien ist heute selten geworden. Im Gegensatz dazu werden extragonadale Keimzelltumoren häufig erst durch das Auftreten von Symptomen erkannt.“
  • „Im vorliegenden Fall wäre dies schwierig gewesen. Eine sorgfältige Anamnese mit z.B. B-Symptomatik, vom Patienten bemerkten Lymphknotenvergrößerungen etwa zervikal, Dyspnoe o.ä. hätten auf eine fortgeschrittene extragonadale Erkrankung hindeuten können. Bei diesbezüglich unauffälliger Anamnese mit im Ultraschall unauffälligem Hodenparenchym bleibt ein extragonadaler Keimzelltumor jedoch häufig lange unerkannt.“

Schicken Sie uns Ihre eigenen Fälle und Fragen.

Wir veröffentlichen den anonymisierten Fall und die Antwort des DGU-Experten hier auf der Kachel „Aktuelles“ auf www.uro-tube.de