14. Januar 2019 12:23 Uhr

Erfolgreiches Management des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms

Über das erfolgreiches Management des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms berichtete Prof. Dr. A. Merseburger, Lübeck im uro-tube-Webinar am 19.12.2018

Erfolgreiches Management des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms

Über das erfolgreiches Management des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms berichtete
berichtete Prof. Dr. A. Merseburger, Lübeck im uro-tube-Webinar am 19.12.2018

und stellte zulassungsrelevante Daten und klinische Überlegungen zu diesem Krankheitsbild vor.

Wir alle wissen, dass der Effekt der Hormontherapie, sowohl der klassischen ADT wie auch der neuen Substanzen (ARTA = Androgen Receptor-Targeted Agent), zeitlich begrenzt ist und sie keine Heilung erreicht. Ziel muss es deshalb sein, den Tumorprogress durch neue Therapieformen und deren Kombinationen hinauszuschieben.

Das kastrationsresistente Prostatakarzinom (also unter ADT) ist gekennzeichnet durch folgende Konstellation: bei einem Testosteron < 50 ng/ml besteht ein  PSA-Progress (3 x gemessen, >2 ng/ml) oder ein radiografischer Progress.

Bei Metastasierung (MCRCP) können zusätzlich zur vorbestehenden ADT dabei in der ersten Therapielinie Taxane, Arbiraterone (plus Corticoid) oder Enzalutamid gegeben werden und abhängig von der Metastasierung auch eine Therapie mit Radium-223, in der zweiten Linie auch mit Cabacitaxel. Grundlegend wichtig ist:

  • die MCRCP-Therapie ist nur effektiv mit einer gleichzeitigen ADT
  • die Behandlung von MCRCP-Patienten erfordert Zuwendung, denn es müssen Nebenwirkungen der Medikamentenkombination beachtet werden.

Auch für den Patienten ist diese Kombinationstherapie eine Herausforderung, deshalb sind Aufklärungsbögen empfehlenswert, die sich insbesondere mit den Nebenwirkungen der Kombinationspartner beschäftigen.

Beachten Sie bitte den Warnhinweis bei der Kombination einerRadium-223-Therapie mit Abiraterone: es wurden mehr Todesfälle und Knochenfrakturen beschrieben, und daher wird diese Kombination nicht empfohlen

Zwischenzeitlich tritt eine neue Konstellation in den Fokus:das M0-CRCP, also ein kastrationsresistentes Prostatakarzinom ohne nachweisbare Metastasierung, das sich bei einem Testosteron im Kastrationsniveau durch einen PSA-Anstieg bemerkbar macht. In der Vorgeschichte kann es beispielsweise nach primär kurativ beabsichtigter Therapie zu einem PSA-Progress gekommen sein, der ohne nachgewiesene Metastasierung mit einer ADT behandelt wurde. Wird dabei eine kurze PSA-Verdoppelungszeit (< 6 Monate) beobachtet, ist binnen eines Jahres mit einer Metastasierung zu rechnen.

Nach den Ergebnissen der PROSPER-Studie (ADT + Enzalutamid) und der SPARTAN-Studie (ADT + Apalutamid) kann das metastasenfreie Überleben gegenüber der Kombination von ADT + Placebo um 2 Jahren verlängert werden. Enzalutamid ist seit Oktober 2018 für diese Indikation in Deutschland zugelassen, Apalutamid seit Anfang 2019.

In der kastrationsresistenten Situation ist insbesondere bei Metastasierung eine regelmäßige Bildgebung CT-Abdomen und -Thorax und Skelettszintigramm alle 3 – 4 Monate empfehlenswert. Denn das PSA ist gerade bei viszeralen Metastasen nicht immer sensitiv genug, um einen Tumorprogress anzuzeigen.

Wohin geht die Entwicklung?

Das 68Gallium-PSMA-PET/CT kann bei höherer Sensitivität bislang unbekannte Metastasen erkennen (und vielleicht einen Teil der M0-CRPC-Gruppe erklären).

Und es bleibt als „Letztlinientherapie“ der Versuch mit einer Lutetium177-PSMA-Liganden-Therapie mit bis zu 6 Zyklen, gegeben alle 6 – 8 Wochen. Nach der deutschen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom „kann“ ein solcher Therapieversuch erfolgen, setzt aber die Entscheidung durch multidisziplinäres Tumorboard voraus.

Und die weitere Zukunft?

Sie könnte liegen in der personalisierten Medizin mit Patienten-Biomarker und einem molekularen Profiling, das Einzelmarker verwendet oder ein Marker-Panel mit der Entscheidung in einem Molekularem Tumorboard.