21. August 2019 15:16 Uhr

App auf Rezept

Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) soll digitale Anwendungen für die medizinische Praxis künftig besser nutzbar und verschreibungsfähig machen: Welche der vielen digitalen Produkte auf dem Markt verbessern tatsächlich die Versorgung von Patienten? Und welche sinnvollen Anwendungen stehen in der Urologie zur Verfügung?

Im Januar 2020 wird das kürzlich vom Bundeskabinett verabschiedete Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) in Kraft treten. Damit wird die zentrale Erfassung von Patientendaten im gesicherten Datennetz weiter vorangetrieben und Patienten werden erleichterten Zugang zu Video-Sprechstunden erhalten. Für digitale Gesundheitsanwendungen, wie z. B. Apps, wird ein beschleunigtes Zulassungsverfahren etabliert, das Ärzten ermöglichen soll, geprüfte digitale Hilfen für Patienten künftig erstattungsfähig zu verschreiben.

Hier geht es zur Presseerklärung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn zum DVG am 10. Juli 2019

Rund 300.000 Apps im Bereich Gesundheit & Fitness bieten App-Stores an, aber bislang gab es keine unabhängige Prüfverordnung, um ihren tatsächlichen gesundheitlichen Mehrwert zu garantieren. Zwar müssen Anwendungen mit diagnostischer oder therapeutischer Funktion beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lizensiert werden, die überwiegende Mehrheit der vorhandenen Apps ist jedoch nicht CE-zertifiziert. Darüber hinaus sagt das CE-Zertifikat nichts darüber aus, ob das Produkt die Versorgung der Patienten verbessert.

Dies soll sich nun ändern. Ab Januar können digitale Gesundheitsanwendungen, deren Funktionstauglichkeit, Sicherheit und Datenschutz sichergestellt sind, in das Verzeichnis des BfArM als erstattungsfähiges Medizinprodukt aufgenommen werden. Der Hersteller hat dann zwölf Monate Zeit, um den positiven Effekt auf die Patientenversorgung nachzuweisen.

Welche sinnvollen digitalen Anwendungen gibt es bereits in der Urologie?

Für urologische Patienten ist die Zahl der Apps oder Internetportale noch vergleichsweise überschaubar. Der wirkliche medizinische Nutzen ist auch hier häufig unklar: Nur 13% der englischsprachigen Apps in der Urologie, so zeigte eine Studie, wurden in Zusammenarbeit mit urologischen Fachgesellschaften entwickelt und 62% wiesen erhebliche fachliche Mängel auf.

Aber es gibt positive Ausnahmen: Für Prostatakrebs-Patienten gibt es beispielsweise zwei digitale Entscheidungshilfewerkzeuge, die urologische Fachverbände zusammen mit der Industrie entwickelt haben. Die Wirksamkeit beider Anwendungen wird in aktuell laufenden Studien untersucht. Bei der Entscheidungshilfe Prostatakrebs erhalten Patienten mit lokalem Prostatakrebs nach Eingabe ihrer individuellen Daten personalisierte Informationen über ihre Therapieoptionen, deren Nebenwirkungen und Lebensqualitätsdaten. Sie können so informierter in das Arztgespräch gehen.

Die CE-zertifizierte App Prostana hingegen bietet Prostatakrebs-Patienten aller Stadien eine leitlinienkonforme Entscheidungshilfe und psychoonkologische Unterstützung durch eine dialogbasierte Software. Eine weitere empfehlenswerte App, international und von Urologen entwickelt, ist StoneMD: Nierensteine. Sie hilft Patienten mit einer Nierenstein-Episode durch Lifestyle-Begleitung, das individuelle Rezidivrisiko zu senken. In einer ersten Studie hat sie positive Wirksamkeit gezeigt.

Es ist zu hoffen, dass sich die Zahl solcher medizinisch sinnvoller digitaler Werkzeuge in Zukunft erhöhen wird, um Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu helfen, ergänzend zur Behandlung durch den Arzt. Mit dem neuen Gesetzespaket ist für die Entwickler nun der Anreiz geschaffen. (Joh)